Lagebericht aus der Intensivstation - im Gespräch mit zwei Mitarbeitern

Zwei Mitarbeiter des Landesklinikum Scheibbs – OA Dr. Alexander Egger, MSc, bereichsleitender Oberarzt und DGKP Johannes Grissenberger, Stationsleiter der Intensivstation, berichten über die aktuelle Corona-Lage im Klinikum.

Wie hat sich die Corona-Lage in den letzten Tagen und Wochen entwickelt?
Johannes Grissenberger: Leider sind wir wieder mit deutlich steigenden Aufnahmezahlen konfrontiert. Dies führt neben einer hohen körperlichen und psychischen Belastung meiner KollegInnen vor allem wieder zur Notwendigkeit, geplante Operationen zu reduzieren, um die Kapazität der Ärzte und des Pflegepersonals auf der Intensivstation zu erhöhen.

Inwiefern werden operative Eingriffe aktuell aufrechterhalten?
Johannes Grissenberger: Akuteingriffe, aber auch onkologische Operationen werden natürlich weiterhin durchgeführt, um ein Fortschreiten des Krankheitsverlaufes zu verhindern. Bei planbaren Eingriffen kommt es leider zu Verschiebungen – dies ist natürlich für die Betroffenen sehr bitter.

Wie sieht der derzeitige Belag im Krankenhaus aus? Ist es richtig, dass auch geimpfte Personen im Krankenhaus aufgenommen wurden?
Dr. Alexander Egger: In der Tat haben wir in den letzten Wochen PatientInnen stationär aufgenommen, die trotz Schutzimpfung eine aktuelle Corona-Infektion aufwiesen. Teils mit typischen Symptomen, teils aber auch mit anderen Erkrankungen.

Im Vergleich zu nicht geimpften PatientInnen ist deren Krankheitsverlauf in Bezug auf die Corona-Infektion in der Regel wesentlich unkomplizierter, sodass sie keine intensivmedizinische Betreuung benötigen und das Krankenhaus meist schneller wieder verlassen können, als jene, die nicht geimpft sind.

An der Intensivstation konnten wir bisher geimpfte Corona positive PatientInnen an einer Hand abzählen. Deren Immunsystem war jedoch auf Grund von Begleiterkrankungen meist angeschlagen, sodass kein ausreichender Impfschutz aufgebaut werden konnte.

Wie sieht der typische Verlauf einer Corona-Infektion aus? Wieso stellt die Betreuung dieser Patienten eine derart große Belastung dar?
Dr. Alexander Egger: Eine durch die Infektion auftretende Entzündung der Lunge führt im Rahmen der COVID-Infektion zu einer schweren Atemnot durch eine dramatisch reduzierte Sauerstoffaufnahme im Körper. Dies wird mit hoch dosiertem Sauerstoff und einer entsprechenden Unterstützung der Atmung zu behandeln versucht.

Die Behandlung solcher PatientInnen bedeutet immer ein Arbeiten unter umfangreichem Eigenschutz, das heißt unser Personal muss in Schutzausrüstung alle pflegerischen und medizinischen Tätigkeiten durchführen. Zudem bedarf ein Intensivpatient einem umfangreichen Management. Viele Kabel und Schläuche führen zu PatientInnen hin oder vom Patienten weg, um Messwerte zu erhalten, Medikamente zu verabreichen, Flüssigkeiten zu- und abzuführen. Dies erschwert das Handling wesentlich, um ein unbeabsichtigtes Entfernen zu verhindern.

Gibt es Alternativen, wenn dies nicht ausreicht?
Dr. Alexander Egger: Es ist dies lediglich eine Therapie der Symptome, da wir weiterhin keine spezifische Therapie gegen die Erkrankung haben. Reicht die Atemunterstützung nicht aus, ist oftmals ein künstlicher Tiefschlaf und eine kontrollierte Beatmung notwendig. Die Überlebenschancen sind hier gesamt gesehen sehr schlecht. Es gibt zwar hochspezialisierte Therapien wie eine maschinelle Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff, davon profitiert jedoch ebenfalls nur eine sehr kleine Gruppe an PatientInnen.

Was stellt für das Personal die größte Belastung dar – und wie gehen sie mit dieser Situation im Team um?
Johannes Grissenberger: Neben der körperlichen Belastung ist es die Angst in den Augen der PatientInnen. Bei Verschlechterung des Gesundheitszustandes ist ein künstlicher Tiefschlaf mit maschineller Beatmung unumgänglich. Die Momente davor, in denen man versucht dem PatientInnen etwas Hoffnung mitzugeben, sind auf Dauer emotional sehr belastend.

In meinem Team ziehen alle an einem Strang, es gibt keine Abgänge, wir konnten sogar drei Mitarbeiterinnen aus der Pension zurückholen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Ärzte mit dem Pflegepersonal hat sich aufgrund dieser Situation noch mehr vertieft – es werden wichtige Entscheidungen miteinander besprochen und mitgetragen. Das Team ist zu einer Einheit zusammengewachsen, und das ist sogar das positive dieser Pandemie!

Was raten Sie Menschen, die der Impfung skeptisch gegenüberstehen?
Johannes Grissenberger: Leider kursieren in den diversen sozialen Medien viele Unwahrheiten und Falschmeldungen, die der Realität überhaupt nicht entsprechen! Die millionenfach erprobte Impfung schützt nicht zu 100% vor einer Infektion, jedoch schützt sie in hohem Maße vor einem schwerwiegenden, oftmals tödlichen Verlauf.

Den meisten nicht geimpften PatientInnen wird die Bedeutung dieser Impfung erst dann bewusst, wenn es ihnen körperlich sehr schlecht geht. Zu diesem Zeitpunkt sind wir der Erkrankung jedoch einen Schritt hinterher.

 

BILDTEXT: Im Gespräch mit OA Dr. Alexander Egger, MSc (links) und DGKP Johanes Grissenberger (rechts) auf der Intensivstation am Landesklinikum Scheibbs.

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